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Handelsgespräche zwischen EU und VAE in der Schlussphase: Was ein Abkommen für Bulgariens Handel mit den Emiraten von 304 Mio. US-Dollar bedeuten könnte

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Containerhafen im Morgengrauen mit gestapelten Containern, Portalkränen und einem Containerschiff am Kai, dahinter Glastürme im Dunst Analyse
Containerhafen im Morgengrauen mit gestapelten Containern, Portalkränen und einem Containerschiff am Kai, dahinter Glastürme im Dunst

Bulgariens Handel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten stieg 2025 um 17,2% auf 303,9 Mio. US-Dollar, die Exporte legten um 36,2% zu. Während EU und VAE ihr Freihandelsabkommen noch in diesem Jahr abschließen wollen, steht für bulgarische Hersteller von Autos, Elektrotechnik und Maschinen am meisten auf dem Spiel.

Was geschehen ist

Die Europäische Union und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben vom 5. bis 9. Oktober in Brüssel die achte Verhandlungsrunde über ein Freihandelsabkommen geführt, wie aus der Tagesordnung des Handelspolitischen Ausschusses der EU hervorgeht. Der Außenhandelsminister der VAE, Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, bezeichnete die Runde als positiver als die vorherigen, berichtete AGBI am 23. Oktober. Im Juli hatte er gegenüber Bloomberg gesagt, die Gespräche kämen langsamer voran als andere Verhandlungen der VAE, weil die EU auf der Einbeziehung handelsfremder Themen bestehe.

Beide Seiten wollen das Abkommen weiterhin 2026 abschließen. Die EU-Botschafterin in den VAE, Lucie Berger, sagte im August, die EU habe solche Abkommen früher über 10 bis 20 Jahre mit ein oder zwei Runden pro Jahr verhandelt, während die Gespräche mit den VAE schon im ersten Jahr sechs Runden umfassten. Es wäre das erste Freihandelsabkommen der EU mit einem Golfstaat. Andere Partner sind schneller: Kanada unterzeichnete am 27. Oktober in Ottawa ein umfassendes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (CEPA) mit den VAE, das 2027 in Kraft treten soll.

Die Zahlen und der Hintergrund

Für Bulgarien ist der Einsatz bescheiden, wächst aber schnell. Der Warenhandel mit den VAE erreichte 2025 laut dem bulgarischen Ministerium für Wirtschaft und Industrie 303,9 Mio. US-Dollar, 17,2% mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie 2021. Die bulgarischen Exporte stiegen um 36,2% auf 224,9 Mio. US-Dollar, die Importe sanken um 16,0% auf 79,0 Mio. US-Dollar, sodass Bulgarien einen Überschuss von 145,9 Mio. US-Dollar erzielte.

Jahr Bulgarische Exporte Bulgarische Importe Handelsvolumen Saldo
2021 94,2 Mio. $ 43,5 Mio. $ 137,7 Mio. $ +50,7 Mio. $
2022 146,3 Mio. $ 50,9 Mio. $ 197,2 Mio. $ +95,4 Mio. $
2023 188,8 Mio. $ 53,9 Mio. $ 242,7 Mio. $ +134,9 Mio. $
2024 165,1 Mio. $ 94,1 Mio. $ 259,2 Mio. $ +71,0 Mio. $
2025 224,9 Mio. $ 79,0 Mio. $ 303,9 Mio. $ +145,9 Mio. $

Bulgarien verkauft vor allem Industriegüter an die Emirate. Der größte Exportposten 2025 waren Pkw mit 18,9 Mio. US-Dollar (8,4%), gefolgt von Schalttafeln und Steuerpulten mit 13,9 Mio. US-Dollar (6,2%), Geräten zum Schalten und Schützen elektrischer Stromkreise mit 7,9 Mio. US-Dollar (3,5%), Maschinen zur Bearbeitung von Kautschuk und Kunststoffen mit 7,3 Mio. US-Dollar und medizinischen Instrumenten mit 6,6 Mio. US-Dollar. Die Importe sind deutlich stärker konzentriert: Rohaluminium machte 33,4 Mio. US-Dollar oder 42,3% aller bulgarischen Käufe aus den VAE aus, vor Zerstäubern (13,5%) und Parfüms (8,6%).

Die Investitionen sind noch geringer. Der Bestand an Direktinvestitionen aus den VAE in Bulgarien belief sich Ende 2025 auf 156,7 Mio. Euro, wie das Ministerium unter Berufung auf die Bulgarische Nationalbank angibt. Bulgarische Unternehmen sind in umgekehrter Richtung sichtbarer: Ende des dritten Quartals 2025 waren 243 bulgarische Firmen aktive Mitglieder von Dubai Chambers, sagte der bulgarische Generalkonsul in Dubai, Stanislav Dimitrov, im Juni. Ende 2025 gründeten 22 in den VAE tätige Unternehmen den Bulgarischen Wirtschaftsrat in Dubai, berichtete Investor.bg.

Die VAE schließen Handelsabkommen in hohem Tempo. Seit September 2021 hat das Land 38 umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen unterzeichnet, und bis Juli 2026 waren 18 abgeschlossene Abkommen in Kraft, wie die Übersicht von Invest Emirates über die Handelsabkommen der VAE zeigt. Der Nicht-Öl-Außenhandel des Landes wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 13% auf 1,9 Billionen Dirham (517 Mrd. US-Dollar), berichtete AGBI, trotz des am 28. Februar begonnenen Kriegs mit Iran, der die Schifffahrt durch die Straße von Hormus störte. Für die EU insgesamt sind die VAE der größte Exportmarkt und Investitionspartner in der Region, mit einem Warenhandel von rund 57 Mrd. Euro.

Wie Bulgarien im Vergleich abschneidet

Bulgarien und die VAE konkurrieren um international mobile Unternehmen mit niedrigen Steuern, allerdings aus unterschiedlichen Positionen. Die Tabelle vergleicht die wichtigsten Sätze.

Steuer Bulgarien VAE
Körperschaftsteuer 10% 0% bis 375 000 Dirham Gewinn, 9% darüber
Unternehmen in Freizonen Keine Entsprechung 0% auf qualifizierte Einkünfte
Einkommensteuer 10% pauschal Keine
Mehrwertsteuer 20% Normalsatz 5%
Doppelbesteuerungsabkommen 71 in Kraft 137

Die Angaben zu Bulgarien stammen aus der Übersicht von InvestBulgaria zu den Steuern in Bulgarien, die zu den VAE aus dem Leitfaden zum Steuersystem der VAE auf Invest-Emirates.ae. Große multinationale Konzerne mit einem weltweiten Umsatz von 750 Mio. Euro oder mehr zahlen in den VAE eine Ergänzungssteuer bis zu einem effektiven Satz von 15%.

Die beiden Länder haben bereits ein Steuerabkommen, das am 26. Juni 2007 in Sofia unterzeichnet wurde und seit dem 16. November 2008 in Kraft ist. Es begrenzt die Quellensteuer auf 5% für Dividenden, 2% für Zinsen und 5% für Lizenzgebühren, mit 0% für Regierungen und bestimmte staatliche Investitionseinrichtungen, wie die Tabelle der Doppelbesteuerungsabkommen von InvestBulgaria zeigt. Was noch fehlt, ist ein Investitionsschutzabkommen: Laut Ministerium wird ein solches verhandelt, und die Gemischte Wirtschaftskommission, die durch ein Kooperationsabkommen von 2016 eingerichtet wurde, hat noch nie getagt.

Was das für Investoren und Unternehmen bedeutet

Für bulgarische Exporteure wäre der wichtigste Vorteil eines EU-Abkommens niedrigere Zölle. Für die meisten in die VAE eingeführten Waren gilt ein Zoll von 5% auf den CIF-Wert (Kosten, Versicherung und Fracht), wobei Grundnahrungsmittel und einige andere Waren befreit sind, so das Dubaier Gründungsberatungsunternehmen Shuraa. Würde der Normalsatz auf alle bulgarischen Exporte des Jahres 2025 angewandt, ergäben sich Zölle von rund 11 Mio. US-Dollar pro Jahr; der tatsächliche Betrag ist wegen der Befreiungen und der über Freizonen verkauften Waren niedriger. Autoexporteure sowie Hersteller von Elektrotechnik und Maschinen, die die Exportliste anführen, würden die größte direkte Wirkung spüren; das kanadische Abkommen soll die Zölle der VAE auf mehr als 99% der kanadischen Waren senken oder abschaffen.

Für Importeure würde das Abkommen auch die EU-Zölle auf Waren aus den VAE erfassen. Da Aluminium 42,3% der bulgarischen Importe aus den Emiraten ausmacht, werden die Regelungen für Metalle und die Ursprungsregeln für bulgarische Käufer wichtiger sein als die allgemeine Zollsenkung.

Bei den Investitionen ist der Vergleich mit Bulgariens Nachbarn aufschlussreich. Im Oktober kündigten die VAE neue Investitionen von 15 Mrd. Euro in Griechenland an, zusätzlich zu einer gemeinsamen Investitionsinitiative über 4 Mrd. Euro, und sagten Anfang des Monats 40 Mrd. Euro für Deutschland zu, während ihre gesamten Investitionen in Bulgarien 156,7 Mio. Euro betragen. Ein Freihandelsabkommen mit Investitionskapiteln würde Bulgarien zusammen mit einem bilateralen Investitionsschutzabkommen stärkere Argumente verschaffen, um Kapital aus den VAE für Energie, Logistik und Technologie zu gewinnen – Bereiche, die bulgarische Vertreter beim Wirtschaftsforum Bulgarien – VAE im Juni als Prioritäten nannten.

Für bulgarische Unternehmen, die einen Standort in den Emiraten erwägen, ist die Steuertabelle nur ein Teil des Bildes. Die niedrigeren Sätze der VAE gehen mit Kosten für Lizenzen, Visa und Büros einher, und der Nullsatz in den Freizonen gilt nur für qualifizierte Einkünfte. Unternehmen, deren Kunden und Mitarbeiter in der EU bleiben, könnten feststellen, dass Bulgariens Sätze von 10% und der volle Zugang zum Binnenmarkt die einfachere Wahl bleiben.

Worauf zu achten ist

Das erste Signal wird sein, ob EU und VAE bis Jahresende eine neunte Runde oder einen politischen Abschluss der Verhandlungen ankündigen und ob die Europäische Kommission ihren Bericht über die Oktober-Runde veröffentlicht. Danach muss der Rechtstext in Brüssel und in den VAE gebilligt werden, bevor Zollsenkungen in Kraft treten. In Bulgarien sind die nächsten Wegmarken die Unterzeichnung des Investitionsschutzabkommens, die erste Sitzung der Gemischten Wirtschaftskommission und die Handelsdaten für 2026, die zeigen werden, ob sich das Exportwachstum von 36,2% aus dem Jahr 2025 fortsetzt.